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26.05.2010, 10:44 Uhr
Perspektiven für Berlin: Der Gesundheitsmarkt – ein Wachstumspotential?
Veranstaltung mit Senator a. D. Ulf Fink

Im gut gefüllten Saal des Ernst-Lemmer-Instituts Berlin fand am 26.05.2010 die Veranstaltung der CDU mit Herrn Senator a. D. Ulf Fink zum Thema „Perspektiven für Berlin: Der Gesundheitsmarkt – ein Wachstumspotential?“ statt.

Einladender Veranstalter war der OV CDU Grunewald-Halensee mit seinem Vorsitzendem Claudio Jupe; Mitveranstalter waren die OVe Westend und Alt-Wilmersdorf.

Fink sprach die sog. Kondratieff-Zyklen an, die im Rahmen der Forschung zur Marktwirtschaft bekannt wurden. Danach gibt es Dekaden-Abschnitte, die von bestimmten Basis-Innovationen mit langen, ausgreifenden Wellen geprägt sind. Beispiele für die jeweiligen Zeiträume von 40 bis 60 Jahren sind die Erfindung der Dampfmaschine und Innovationen im Bereich der Textilindustrie, des Eisenbahnverkehrs und des Stahlbau, der Elektrotechnik und Chemie, der Automobilindustrie und der Petrochemie.

Seit den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts entwickelte sich die Informationstechnologie und deren Verwertung. Derzeit dürfte der 6. Kondratieff-Zyklus begonnen haben, der geprägt sein wird vom Thema Gesundheit,  Entwicklung und Vermarktung im weitesten Sinne.

Im Jahr 2008 betrugen die Gesundheitsausgaben ca. 300 Mrd. EUR (ca. 11 % des Bruttoinlandsprodukts in Deutschland). Hohe Zahlen weisen auch viele andere hochentwickelte Länder auf, u. a. die USA.

Einzelne Indikatoren zeigen an, dass die Bedeutung des Gesundheitswesens steigt. Insbesondere gibt es im Bereich Gesundheit derzeit eine Fülle von Rand- und Nebenbereichen mit hohem zivilgesellschaftlichen Engagement.

Fink wies auf die Berliner Situation hin und das Pfund „Charité“. In Berlin gäbe es eine Zusammenballung von Wissen zum Thema Gesundheit. Nach Berlin kämen die Forscher gerne, Berlin könne sich auch auf frühere Meriten mit einer Fülle von medizinischen Großtaten und berühmten Namen berufen.

Die Charité mit ihren 15.000 Mitarbeitern ist das größte Krankenhaus auf dem Kontinent, Vivantes dürfte der größte Gesundheitskonzern auf dem Kontinent sein. Eine Problematik sah der über viele Einzelinformationen, Details und Zahlen verfügende Initiator der Gesundheitsstadt Berlin e.V., Herr Senator a. D. Fink in dem entstandenen Investitionsstau. D. h., dass die Mittel für Investitionen fehlen.

In der Marktwirtschaft steht nichts still: Um eine Position ausbauen oder halten zu können, bedarf es ständigen Engagements. Fink wies darauf hin, dass wir in Berlin zwar die oben erwähnten Bedeutungsmarken im Weltmaßstab erreicht hätten, die Hard- und Software jedoch erneuerungsbedürftig sei. Fink verwies in diesem Zusammenhang auf die Stadt Hamburg, die mit Erfolg in das Uni-Klinikum privatisiert habe und in einem Teilbereich dabei sei, Berlin den Rang abzulaufen. Hier bedarf es des ständigen Anstoßes der Berliner Landesregierung.

Mit den Analysen, die Fink vortrug und die der Verein Gesundheitsstadt Berlin vornimmt, trägt er weit über die Grenzen Berlins hinaus zur Sicherung des Schwerpunkts des Gesundheitsmarktes in Berlin bei. Auf die regelmäßigen Berichte in der Berliner Presse und die veröffentlichten auch im Internet recherchierbaren Klinikvergleiche wurde hingewiesen. Fink erklärte die überwiegende Mehrzahl der über 50-Jährigen, selbst der 80-Jährigen sei nicht krank oder pflegebedürftig. Dennoch bedürfe es für diesen wachsenden Bevölkerungsteil einer Fülle von Angeboten. Ältere Menschen müssten die Möglichkeit haben, die sie betreffenden Gesundheitsangebote im weitesten Sinne auswählen zu können.

Daneben ist das Feld der Prävention mit dem heutigen Bild des eigenverantwortlichen Patienten ein nach den Forschungen der letzten Jahre sich ständig erweiterndes Feld. Dort müssten Anreize geschaffen werden, zu denen auch die Politik Ihren Beitrag leisten sollte (Bonusprogramme).

Wie nicht anders zu erwarten, wurde über die Frage der Bürgerversicherung und über die Frage der Einführung eines Prämiensystems kontrovers diskutiert. Immerhin hat Deutschland im Weltmaßstab noch mindestens eines der drei besten Gesundheitssysteme zu bieten und auch das Krankenversicherungssystem ist im Vergleich mit anderen Ländern noch am leistungsfähigsten.

Bei den privaten Krankenversicherungen wäre die Dämpfung und Steuerung von Kosten für die Zukunft zu prüfen.

Bei den gesetzlichen Krankenkassen wäre eine Konzentration der gesetzlichen Krankenkassen von derzeit noch ca. 150 auf wenigstens ¼ anzustreben.

In Berlin, wo ein Großteil der klassischen Industrie und die hiermit zusammenhängenden Arbeitsplätze verloren ging, wäre es jedenfalls von größter Bedeutung, den Gesundheitsbereich insgesamt weiter auszubauen und so an dessen Wachstumschancen teilzunehmen, die Grundlage für einen weiteren Aufschwung sein könnten.

Der Gesundheitssektor bietet Produktivitätsreserven!

Vorschlag:

Zu überlegen wäre, warum nicht ein Zukunftsprogramm „Gesundheitsland Deutschland“ ins Leben gerufen werden sollte, um die Produktivität im Umgang mit Gesundheit und Krankheit in den nächsten zehn Jahren nachhaltig zu erhöhen und damit Berlin und Deutschland zu den Gewinnern des 6. Kondratieff-Zyklus zu machen. 

Claudio Jupe

Vorsitzender

Ortsverband CDU Grunewald-Halensee